Die römischen Kastelle in Rottweil

Das römische Rottweil (Arae Flaviae) gehörte ab dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. zu den wichtigsten militärischen und zivilen Zentren Südwestdeutschlands. Bis heute sind hier fünf Kastelle bekannt, darunter das einzige mittelkaiserzeitliche Standlager einer Legion rechts des Rheins. Die Bedeutung des Ortes ergab sich aus seiner Lage an zwei wichtigen Verkehrsrouten in West-Ost- bzw. Nord-Süd-Richtung. Am seichten Übergang über den Neckar zwischen den beiden Fluren Nikolausfeld in Rottweil-Mittelstadt und Hochmauren in Rottweil-Altstadt (schräg gegenüber) hat sich das antike Siedlungsgeschehen abgespielt.

Römisches Militär auf dem Nikolausfeld: Auf dem Nikolausfeld gibt es zwei Kastelle. Das Kastell I ist aufgrund seiner Größe und Bauweise als Legionslager anzusehen. Es wurde von der 11. Legion erbaut, die 70 n. Chr. aus dem Osten des römischen Reiches nach Obergermanien kam. Zunächst im bestehenden Legionslager Vindonissa/Windisch (CH) stationiert, verlegte man sie spätestens unter Kaiser Titus (79 bis 81 n. Chr.) für ca. 10 Jahre nach Rottweil. Danach hatte sie ihr Standquartier wieder in Vindonissa. Im Jahre 101 n. Chr. verließ die Legion die Provinz um in den Donaukriegen Trajans teilzunehmen. In ihrer Rottweiler Zeit war zumindest zeitweise fast die gesamte Legion (5500 Mann) anwesend. Nach Aufgabe des Legionslagers wurde an derselben Stelle ein kleineres Kastell angelegt, das von Hilfstruppen benutzt wurde (Kastell II). Mit einer mutmaßlichen Gesamtbesatzung von gut 1000 Mann gehört es ebenfalls zu den großen Truppenstandorten. Nach wenigen Jahren wurde das Lager von Kaiser Trajan (98 bis 117 n. Chr.) aber wieder geräumt und die Soldaten an den neu erbauten obergermanischrätischen Limes entlang des Neckars und auf der Schwäbischen Alb verlegt. Damit endet die militärische Phase Rottweil. Die weitere Entwicklung des Ortes hin zur römischen Stadt mit eigenem Stadtrecht spielte sich rechts des Neckars auf Hochmauren ab.

Das Dominikanermuseum in Rottweil bietet einen Überblick über die wesentlichen Aspekte der Forschungsgeschichte, über das Militär und seine Bauten, die Marketender, die römische Stadt und ihre Bauten, die Bestattungen und die in Rottweil gefundenen, von den Römern verwendeten Gegenstände. Die hier präsentierten Ergebnisse beruhen auf den mehr als 200 Jahre andauernden Ausgrabungen.